Herzlich willkommen beim Unichor Freiburg! Wir freuen uns, dass Sie da sind.

„Es mag sein, dass ein Komponist nicht an Gott glaubt, an Bach glauben jedoch alle!“

Mauricio Kagel

Dieses Konzert ist möglich aufgrund der Unterstützung durch das Kulturamt Freiburg und das Universitätsklinikum.


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Konzertablauf
Einführung
Mitwirkende


Konzertablauf

1. Veni, redemptor gentium;
Ostende partum virginis;
Miretur omne saeculum.
Talis decet partus Deo.'

Nun komm, der Heiden Heiland,
der Jungfrauen Kind erkannt,
dass sich wunder alle Welt,
Gott solch Geburt ihm bestellt.

2. Procedit e thalamo suo,
Pudoris aula regia,
Geminae gigans substantiae
Alacris ut currat viam.

Er ging aus der Kammer sein,
dem königlichen Saal so rein,
Gott von Art und Mensch, ein Held;
sein’ Weg er zu laufen eilt.

3. Egressus eius a Patre,
Regressus eius ad Patrem;
Excursus usque ad inferos
Recursus ad sedem Dei.

Sein Lauf kam vom Vater her
und kehrt wieder zum Vater,
fuhr hinunter zu der Höll
und wieder zu Gottes Stuhl.

4. Gloria tibi, Domine,
Qui natus es de virgine,
Cum Patre et Sancto Spiritu,
In sempiterna saecula.

Lob sei Gott dem Vater g’tan;
Lob sei Gott seim ein’gen Sohn,
Lob sei Gott dem Heilgen Geist
immer und in Ewigkeit.


Text: Ambrosius von Mailand (339–397)
Übersetzung und Melodie: Martin Luther (1483–1546)

Chor
Nun komm, der Heiden Heiland, der Jungfrauen Kind erkannt,
Des sich wundert alle Welt, Gott solch Geburt ihm bestellt.

Rezitativ (Tenor)
Der Heiland ist gekommen,
Hat unser armes Fleisch und Blut an sich genommen
und nimmet uns zu Blutsverwandten an.
O allerhöchstes Gut, was hast du nicht an uns getan?
Was tust du nicht noch täglich an den Deinen?
Du kömmst und lässt dein Licht mit vollem Segen scheinen.

Arie (Tenor)
Komm, Jesu, komm zu deiner Kirche und gib ein selig neues Jahr!
Befördre deines Namens Ehre, erhalte die gesunde Lehre und segne Kanzel und Altar!

Rezitativ (Bass)
Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.
So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun,
zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir.

Arie (Sopran)
Öffne dich, mein ganzes Herze, Jesus kömmt und ziehet ein.
Bin ich gleich nur Staub und Erde, Will er mich doch nicht verschmähn,
Seine Lust an mir zu sehn, dass ich seine Wohnung werde.
O wie selig werd ich sein!

Chor
Amen, amen!
Komm, du schöne Freudenkrone, bleib nicht lange!
Deiner wart ich mit Verlangen.


Text: Erdmann Neumeister (1671-1756 ), Philipp Nicolai (1556-1608)
Musik: Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Maria durch ein Dornwald ging
Kyrie eleison
Maria durch ein Dornwald ging, der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen.
Jesus und Maria.

Was trug Maria unter ihrem Herzen?
Kyrie eleison
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen, das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.

Da haben die Dornen Rosen getragen,
Kyrie eleison
Als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen.
Jesus und Maria.


Text und Musik: Eichsfeld, evtl 16. Jahrhundert
Satz: Hugh Keyte und Andrew Parrott

Arie
Nulla in mundo pax sincera
sine felle; pura et vera,
dulcis Jesu, est in te.
Inter poenas et tormenta
vivit anima contenta
casti amoris sola spe.

In dieser Welt gibt es keinen ehrlichen Frieden,
frei von Bitterkeit. Er liegt in Dir,
süßer Jesus, rein und wahr.
Inmitten von Schmerzen und Qualen
lebt die Seele, glücklich nur
mit der Hoffnung auf Liebe.

 

Rezitativ

Blando colore oculos mundus decepit
at occulto vulnere corda conficit;
fugiamus ridentem, vitemus sequentem,
nam delicias ostentando arte secura
vellet ludendo superare.

Mit verführerischem Anblick täuscht diese Welt das Auge,
durchbohrt aber die Herzen mit verborgenen Wunden.
Fliehen wir vor dem, der lächelt, meiden wir den, der uns folgt,
denn indem sie ihre Freuden gekonnt zur Schau stellt,
überwältigt uns diese Welt mit Täuschung.

 

Arie
Spirat anguis

inter flores et colores
explicando tegit fel.
Sed occulto tactus ore
homo demens in amore
saepe lambit quasi mel.
Alleluja

Die Schlange zischt zwischen Blüten und Farben,
rollt sich ab und verbirgt das Gift,
aber nach einem verstohlenen Kuss
leckt ein von Liebe wahnsinniger Mensch es oft wie Honig.
Halleluja


Text: Anonym
Musik: Antonio Vivaldi (1678-1741)
Übersetzung: Pietro Lignola auf lyricstranslate.de und deepl.com

Tröstet mein Volk, spricht der Herr, euer Gott.
Saget der Tochter Zion:
Siehe, dein König kommt zu dir,
sanftmütig und ein Helfer.
Halleluja.


Text: Jesaja 40 und Matthäus 21.5
Musik: Eduard Nössler (1863-1943)

Overture

Rezitativ (Tenor)
Comfort ye, comfort ye my people, saith your God.
Speak ye comfortably to Jerusalem, and cry unto her, that her warfare is accomplished, that her iniquity is pardoned.
The voice of him that crieth in the wilderness; prepare ye the way of the Lord; make straight in the desert a highway for our God.

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.
Redet freundlich, Boten, mit Jerusalem, und prediget ihr, daß die Knechtschaft nun zu Ende und ihre Missetat vergeben.
Vernehmt die Stimme des Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, und ebnet durch Wildnis ihm Pfade.

Arie (Tenor)
Ev'ry valley shall be exalted, and ev'ry moutain and hill made low; the crooked straight and the rough places plain.

Alle Täler sollen erhöht und alle Berge und Hügel eben werden,
das Krumme macht gerade und das Rauhe macht glatt.

Chor
And the glory of the Lord shall be revealed, and all flesh shall see it together: for the mouth of the Lord hath spoken it.

Denn die Herrlichkeit Gottes des Herrn wird offenbaret.
Alle Völker werden es sehen,
Da Gott unser Herr es verheißen hat.

Rezitativ (Bass)
Thus saith the Lord, the Lord of hosts: Yet once a little while and I will shake the heavens and the earth, the sea and the dry land. And I will shake all nations; and the desire of all nations shall come.
The Lord, whom ye seek, shall suddenly come to His temple, even the messenger of the Covenant, whom you delight in; behold, He shall come, saith the Lord of hosts.

So spricht der Herr, Gott Zebaoth: Noch eine kurze Zeit,
und ich bewege den Himmel und die Erde, das Meer und das Trockene und ich bewege die Menschheit.
Dann wird der Trost aller Völker erscheinen.
Der Herr, den ihr sucht, kommt plötzlich zu seinem Tempel;
und der Engel des neuen Bundes, den ihr begehret, steht auf, er erscheint.
So spricht Gott der Herr.

Arie (Alt)
But who may abide the day of His coming, and who shall stand when He appeareth? For He is like a refiner's fire.

Doch wer wird ertragen den Tag seiner Ankunft,
und wer besteht, wenn Er erscheint?
Denn Er ist wie das Feuer des Läuterers.

Chor
And He shall purify the sons of Levi, that they may offer unto the Lord an offering in righteousness.

Und Er wird reinigen und läutern das Volk des Bundes,
auf daß es bringe Gott seinem Herrn ein Opfer in Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Rezitativ (Alt)
Behold, a virgin shall conceive and bear a son, and shall call His name Emmanuel, God with us.

Denn siehe, eine Jungfrau wird ein Kind empfangen und einen Sohn gebären,
und sein Name soll sein Emanuel, »Gott mit uns«.

Arie (Alt) und Chor
O thou that tellest good tidings to Zion, get thee up into the high mountain. O thou that tellest good tidings to Jerusalem, lift up thy voice with strength; lift it up, be not afraid; say unto the cities of Judah, behold your god!
Arise, shine, for thy light is come, and the glory of the Lord is risen upon thee.

O du, die Wonne verkündet in Zion, steig empor zur Höhe der Berge,
o du, die Gutes verheißet Jerusalem, erheb dein Wort mit Macht,
ruf es laut und sei getrost, verkünde den Städten des Landes:
Er kommt, dein Gott!
O du, die Wonne verkündet in Zion, steh auf, strahle, denn dein Licht ist nah,
und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.

Rezitativ (Bass)
For behold, darkness shall cover the earth, and gross darkness the people; but the Lord shall arise upon thee, and His glory shall be seen upon thee. And the Gentiles shall come to thy light, and kings to the brightness of thy rising.

Denn siehe, Finsternis deckt alle Welt, dunkle Nacht alle Völker.
Doch über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint vor dir;
und die Heiden wandeln im Licht, und Könige im Glanze deines Aufgangs.

Arie (Bass)
The people that walked in darkness have seen a great light;
and they that dwell in the land of the shadow of death, upon them hath the light shined.

Das Volk, das da wandelt im Dunkel, sieht ein großes Licht.
Und über denen, die im Land des Todesschattens  wohnen, geht ein Licht auf.

Chor
For unto us a child is born, unto us a son is given, and the government shall be upon His shoulder; and His name shall be called Wonderful, Counsellor, the mighty God, the Everlasting Father, the Prince of Peace.

Denn es ist uns ein Kind geboren, uns zum Heil ein Sohn gegeben,
und die Herrschaft ist gelegt auf seine Schulter,
und sein Name soll sein: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, ewiger Vater und Friedefürst.


Text: Charles Jennens (1700 oder 1701-1773)
Musik: Georg Friedrich Händel (1685-1759)


Musik: Alexandre Guilmant, Op. 90, Nr. 16

Tochter Zion freue dich! Jauchze laut, Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir, ja, er kommt, der Friedefürst,

Hosianna, Davids Sohn! Sei gesegnet deinem Volk!
Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh!

Hosianna, Davids Sohn! Sei gegrüßet, König mild!
Ewig steht dein Friedensthron, Du, des ewgen Vaters Kind.


Text: Friedrich Heinrich Ranke  (1798-1876)
Musik: Georg Friedrich Händel (1685-1759)

2. Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.


Dass sich wundert alle Welt…

von Meinrad Walter

Der Unichor Freiburg lädt ein zu einer adventlich-konzertanten Reise an berühmte Orte der Musik. Aus Mailand stammt das älteste weihnachtliche Lied, das bis heute gesungen wird. Wir hören zunächst das gregorianisch-einstimmige Original „Veni redemptor gentium“, das der Kirchenvater Ambrosius um das Jahr 386 geschaffen hat.

Von Martin Luther stammt die bekannte deutsche Version „Nun komm, der Heiden Heiland“ (1523), die im Schaffen von Johann Sebastian Bach eine große Rolle spielt, beispielsweise in der Kantate BWV 61. Zum Choralvorspiel BWV 659 schreibt der Arzt, Theologe und Organist Albert Schweitzer: „Es ist eine Musik, die uns in das Dunkel des Advents führt und uns die Sterne des Himmels verheißungsvoll erstrahlen lässt.“ Bachs Kantate begrüßt den Heiland, indem sie sein Kommen besingt und dabei verschiedene Facetten des Advents – vom zeitlich-damaligen Kommen über das heutige Kommen zur Kirche und zu jedem Einzelnen bis hin zur Wiederkunft am Ende aller Tage – zur Geltung bringt.

Gleich der feierliche Eingangssatz besticht durch die Kombination von Choral und Ouvertüre. Bach bettet die Choralmelodie zweilenweise, einstimmig oder vierstimmig, und in langen Notenwerten in das pulsierende Gefüge des Instrumentalsatzes ein. Im zweiten Satz wird ein Prinzip der Predigt rhetorisch sowie musikalisch-rhetorisch wirksam: Das Wort soll zum lebendigen Wort werden. Das Grundthema des Kommens aus der Vergangenheit („Der Heiland ist gekommen“) wird über die rhetorische Brücke einer Frage („Was tust du nicht noch täglich …“) in ein Geschehen der Gegenwart übersetzt, das Zukunft eröffnet: „Du kömmst und lässt dein Licht mit vollem Segen scheinen.“ Der dritte Satz „Komm, Jesu, komm zu deiner Kirche“ ist eine Tenor-Arie als musikalisches Gebet um die Ankunft Jesu und um seinen Segen zum neuen Kirchenjahr. Bachs Musik verknüpft thematische Strenge und tänzerische Gelöstheit, womit die eindringliche Bitte des Textes musikalisch bereits erfüllt erscheint.

Im vierten Satz wird das Sinnbild des Anklopfens im Zusammenhang des adventlichen »Kommens« musikalisch inspirierend: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.“ Die Antwort des Glaubens ist das Öffnen der Tür, verbunden mit höchsten Verheißungen. Bach geht in diesem Rezitativ nur dem »Klopfen« nach. Zum einen sind die Antworten des Glaubens den folgenden Sätzen vorbehalten und sollen nicht hier schon vorweg genommen werden. Zum anderen will Bach er sich ganz auf das ergiebige, weil zu musikalischer Inszenierung geeignete Klopfen konzentrieren.

Im fünften Satz, einer nur vom Generalbass begleiteten Arie für Sopran, greift der Textautor Erdmann Neumeister den mystischen Gedanken der Einwohnung Gottes im Menschen auf: „Öffne dich, mein ganzes Herze, Jesus kömmt und ziehet ein.“ Ziel des Glaubens ist die Gottesschau „von Angesicht zu Angesicht“, und das bedeutet höchstes Glück: „O wie selig werd ich sein!“ Als feierlichen Beschluss der Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ steht im Mittelpunkt wiederum das auffordernde „Komm!“: „Komm, du schöne Freudenkrone, bleib nicht lange (fort)! Deiner wart ich mit Verlangen.“ Hier vergegenwärtigt die Musik bereits den Aspekt der Erfüllung.

Das Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ ist ein musikalisches Echo auf die adventliche Botschaft des Lukasevangeliums. Im biblischen Hintergund stehen zwei Besuche, von denen Lukas erzählt. Der Engel Gabriel besucht Maria und kündigt ihr die wunderbare Geburt eines Sohnes an, später besucht die schwangere Maria ihre Cousine Elisabeth, die ebenfalls ein Kind erwartet. Im Dornwald-Lied geht es nicht um diesen Höhepunkt jener Begegnung zweier Frauen, sondern um den Weg, den Maria auf sich nimmt, um ihre Base Elisabeth zu besuchen. Die musikalische Klangwelt in Moll ist ebenso karg wie eindringlich, der Takt gibt ein Schreiten vor: Nicht umsonst ist „Maria durch ein Dornwald ging“ wahrscheinlich als Wallfahrtslied entstanden. Jeder „Kyrie“-Ruf ist eine Huldigung der Singenden an die Mutter und ihren Sohn: „Jesus und Maria“. Lieder mit einem solchen Kyrieleis-Abschluss nennt man „Leisen“, sie sind meistens sehr alt. „Maria durch ein Dornwald ging“ galt lange als Lied, das um 1600 etwa im thüringischen Eichsfeld entstanden sein könnte. Das vermutet auch der Liederforscher August von Haxthausen (1792–1866), der „Maria durch ein Dornwald ging“ in seine gedruckte Sammlung „Geistliche Volkslieder mit ihren ursprünglichen Weisen gesammelt aus mündlicher Tradition und seltenen alten Gesangbüchern“ (1850) aufgenommen hat.

Venedig ist heute eine wichtige Zwischenstation. Hier hat Antonio Vivaldi, der „pretre rosso“, also der rothaarige Priester, an den berühmten Schulen für junge Mädchen gewirkt, deren Aufführungen geradezu legendär waren. Die konzertante Sopran-Arie „Nulla in mondo“ stellt – wie so oft in der Barockmusik – die himmlische Hoffnung der irdischen Welt schroff gegenüber. Sogar eine Schlange spielt da eine Rolle. Dennoch gilt wohl auch für Vivaldi, dass er die Erde liebt und auf den Himmel hofft. Sonst hätte er uns nicht mit solchen Werken beschenkt.

Händels Messias-Oratorium erklang erstmals in durchaus kleiner Besetzung 1742 in Dublin, später dann oft in London. „Subject is Messiah“, so lautet die kürzeste Zusammenfassung des Werkes. Sie findet sich in einem Brief von Charles Jennens, der für das Libretto verantwortlich war. Verfolgen wir dies näherhin im Advents- und Weihnachtsteil, der in Wort und Ton mehreren Spannungen nachgeht. Verheißung und Erwartung gelten einem Kind, das zugleich königlicher Herrscher ist. Doch auch sein Kommen geschieht zweifach: Das zeitliche Kommen ist die Geburt im Stall von Bethlehem, das endzeitliche die Wiederkunft des Messias als majestätischer Richter der Welt.

Gleich die eröffnende „Symphony“ folgt dem kompositorischen Schema der Französischen Ouvertüre, das wir bereits aus Bachs Kantate kennen. Die Einleitung rundet sich nicht in sich, sondern sie öffnet sich wie ein klingendes Portal zum ersten Accompagnato des Tenors, dessen pulsierende Begleitung den Aspekt der Lebendigkeit organisch weiterführt. Händel macht hier den Sänger zur Verkörperung des Heilspropheten und „Rufers in der Wüste“.

Mit der Arie „Ev’ry valley shall be exalted – Alle Tale macht hoch und erhaben“ folgt ein biblisch-adventliches Bild. Die zweite Szene mischt dann neue Farben in das adventliche Tongemälde. Gott selbst ist es, der alles bewegt, nicht die Menschen! Und sein Kommen geschieht unerwartet und bringt nicht nur Trost, sondern ereignet sich plötzlich. Jetzt wird die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk kritisch befragt: Kann der Mensch die Ankunft Gottes überhaupt ertragen? Friedlich wiegende Siciliano-Klänge schlagen plötzlich um in den aufgewühlten „stile concitato“, zudem im prestissimo, womit zugleich die bereits angedeutete Dialektik des weihnachtlichen und des endzeitlichen Kommens komponiert ist. Der Herr kommt lichtvoll zur Erlösung, aber auch mit Feuer zum Gericht. Die Quintessenz nennt wiederum abschließend der Chor: „And he shall purify – und er wird reinigen“.

Auf die alttestamentlichen Verheißungen folgen im zweiten großen Abschnitt des ersten Oratoriumsteils die bekannten weihnachtlichen Ereignisse. Zunächst erklingt jedoch erneut eine Verheißung des Heils, wobei der hierfür wichtigste Bibeltext aus dem Propheten Jesaia ins Spiel kommt: „Behold, a virgin shall conceive and bear a Son“. Dessen Echo ist die tänzerisch-wiegende und vom Chor bekräftigte Altus-Arie „O thou that tellest good tidings“. Sodann zeichnet Händel das Bild der finsteren Welt, in die das göttliche Licht hineinstrahlen will: „darkness shall cover the earth“. Dabei erklingt die Finsternis als ziellos-melodisches Herumirren, das Licht hingegen als fanfarenhafter Aufstieg. Der Chor „For unto us a child is born“ übersetzt Weihnachten wiederum in zwei Aspekten. Höchst virtuos jubelnde Koloraturen gelten der Ankunft des Königs, dessen hoheitliche Prädikate – „Wonderful, Counceller, the Mighty God“ – in majestätisch punktierten Rhythmen erklingen. Wieder verbindet Händel das Spielerisch-Lebendige mit dem Majestätisch-Königlichen.

Am Ende dann die letzte Station: Paris, wo Alexandre Guilmant als Organist und Komponist gewirkt hat. Seine Orgelparaphrase über Händels „Tochter Zion“ – das Lied wurde erst in einem Salon in Erlangen zum deutschsprachigen Choral! – erklang aber nicht nur in der französischen Metropole. Es war zugleich ein Favoritstück bei Guilmant Konzertreisen, vor allem in den USA. So öffnet sich das adventliche Programm des Unichors, das an bedeutende Orte geführt hat, am Ende zur ganzen Welt. Aber so hat es ja auch begonnen, nämlich mit dem Choral „Komm, du Heiland aller Welt“.

„Sie haben sich viel zu viel Mühe mit Ihrer Oper gegeben. Hier in England ist das reine Zeitverschwendung. Was die Engländer mögen, ist etwas, zu dem sie den Takt schlagen können, etwas, das sie direkt auf die Trommelfelle trifft.“

G.F. Händel zu C.W. Gluck

Mitwirkende


Natalia Ortega Martí – Sopran

Natalia Ortega Martí, 1991 in Russland geboren, beginnt ihre musikalische Laufbahn bereits im Alter von fünfzehn Jahren mit einem Chorleitungsstudium in Kostroma. Früh entdeckt sie dabei ihre Leidenschaft für die Stimme, die sie später zu einem Gesangsstudium an das Konservatorium
in Petrosavodsk führt. 2013 zieht sie nach Deutschland und vertieft ihre Ausbildung an den Hochschulen für Musik in Hannover und Freiburg, wo sie den Bachelor- und den Masterstudiengang bei Prof. Dorothea Wirtz erfolgreich abschließt. Wichtige künstlerische Impulse erhält sie in Meisterkursen bei Christiane Iven, Howard Arman und weiteren international renommierten Lehrerinnen. Ihr Repertoire umfasst ein weites Spektrum: von der Feinheit des Frühbarocks über die klassische und romantische Literatur bis hin zu zeitgenössischen Komponistinnen wie Clemens K. Thomas und Lucia Kilger. Diese stilistische Vielseitigkeit prägt ihre künstlerische Identität und macht sie zu einer sowohl stimmlich als auch musikalisch wandelbaren Interpretin.

Natalia Ortega Martí etabliert sich als gefragte Solistin im süddeutschen Raum und ist regelmäßig in Freiburg und Umgebung zu hören – in geistlichen Konzerten, kammermusikalischen Formaten und modernen Musikprojekten. Ihr besonderes Interesse gilt der engen Verzahnung von Text und Klang sowie der lebendigen Vermittlung unterschiedlicher musikalischer Epochen.


Tobias Knaus – Counter-Tenor

Tobias Knaus, Counter-Tenor, wurde in Freiburg im Breisgau geboren. Mit acht Jahren trat er den Freiburger Domsingknaben bei. Während seiner 14-jährigen Sängerschaft, zunächst als Sopran später dann als Bariton, erfuhr er eine klassische Gesangsausbildung und wirkte bei zahlreichen Konzerten, CD-Aufnahmen und Konzertreisen in die ganze Welt mit. Nach dem Abitur beschloss er zunächst Politikwissenschaft und Anglistik zu studieren und den Gesang als zweites Standbein nebenher weiterhin zu betreiben. 2006 begann Tobias Knaus bei Richard Levitt in Basel eine Ausbildung zum Counter-Tenor. Seit dem Ende seines Studiums widmet er sich dem Singen hauptberuflich. Seither tritt er sowohl solistisch als auch in verschiedenen Ensembles wie Vox Luminis, Ensemble Pygmalion, Collegium Vocale Gent oder der Gaechinger Kantorei bei Projekten im In- und Ausland auf. Er hat bei zahlreichen CD-Aufnahmen, sowie verschiedenen Radio- und TV-Produktionen mitgewirkt und durfte dabei unter namhaften Dirigenten wie Bernard Haitink, Sir Roger Norrington, Ton Koopman, Rafael Pichon und René Jacobs arbeiten. In den vergangenen Jahren erweiterte Tobias Knaus seine sängerischen Kenntnisse durch die Teilnahme an Meisterkursen bei Andreas Scholl, David Mason, Magreet Honig und Carlos Mena.
Das breitgefächerte Oratorien-Repertoie des Counter-Tenors reicht von den Bachschen Passionen über Händels Messias bis zu Purcells Jubilate und Pergolesis Stabat Mater. Im Sommer 2024 gab Tobias Knaus sein Opern-Solo-Debüt als Pastore in Monteverdis Orfeo an der Oper Zürich.


Luis Denzel – Tenor

Der Tenor Luis Denzel wurde in Heilbronn geboren, wo er früh seinen ersten Klavier- und mit 14 Jahren seinen ersten Gesangsunterricht erhielt.
Im Oktober 2022 begann er sein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik Freiburg in der Klasse von Prof. Torsten Meyer. Zudem studiert er seit 2023 Gehörbildung bei Prof. Konrad Georgi. Im Jahr 2025 nahm er außerdem ein Studium der Humanmedizin an der Universität Freiburg auf. Im Rahmen seines Gesangsstudiums war Luis Denzel bereits als Solist in Benjamin Brittens Oper „A Midsummer Night’s Dream“ und Maurice Ravels „L’Enfant et les sortilèges“ zu hören. Im Januar 2026 kann man ihn zudem in der Operette „Le testament de la tante Caroline“ von Albert Roussel erleben. Wichtige musikalische Impulse erhielt er unter anderem von Ulrike Hofbauer, Peter Rose oder Hartmut Höll.

Als Solist und Ensemblesänger, ebenso als Stimmbildner, Gesangs- und Gehörbildungslehrer ist Luis Denzel im süddeutschen Raum regelmäßig gefragt. Er ist Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, Preisträger der Helene-Rosenberg-Stiftung und der Fritz-Wunderlich-Gesellschaft, Empfänger des Otto-Rombach-Stipendiums der Stadt Heilbronn sowie Träger eines 1. Bundespreises bei Jugend musiziert und eines Sonderpreises der Walter und Charlotte Hamel-Stiftung.


Jens Martens – Bass

Der Bass Jens Martens wurde 1998 in Hamburg geboren. Nach seinem Abitur zog er 2016 nach Freiburg, um Medizin zu studieren. Dieses Studium schloss er 2023 inklusive Promotion ab. Darüber hinaus absolvierte er von 2020-2023 einen Bachelor in Volkswirtschaftslehre. In Freiburg kam er über den Unichor mit seinem ersten Gesangslehrer, Eduard Wagner, in Kontakt, welcher schnell seine Begeisterung für klassischen Gesang entdeckte und kultivierte. Seit 2023 studiert er an der Hochschule für Musik Freiburg in der Klasse von Prof. Torsten Meyer Gesang, aktuell im 6. Bachelorsemester. Wichtige musikalische Impulse erhielt er u.a. von Peter Rose. Im Rahmen seines Gesangsstudiums war Jens Martens bereits als Solist im Stadttheater Freiburg in Maurice Ravels „L’Enfant et les sortilèges“ zu hören. Im Januar 2026 verkörpert er in der Winter-Produktion der HfM in der Operette „Le testament de la tante Caroline“ von Albert Roussel die Rolle des Doktors.


Stephan Rahn – Orgel

Stephan Rahn ist Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg und Kirchenmusiker in St. Johann/Freiburg.   Er studierte Klavier und Musiktheorie an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin, Cembalo in Karlsruhe und Kirchenmusik in Mainz. Zu seinen Lehrern im Fach Orgel zählten Gerhard Gnann (Orgelliteraturspiel), Hans-Jürgen Kaiser und Alfred Müller-Kranich (Liturgisches Orgelspiel/Improvisation). Obwohl mit Kirchenmusik groß geworden, hat er zunächst die Laufbahn eines Konzertpianisten eingeschlagen und konzertierte viele Jahre, u.a. im Auftrag des Goethe-Instituts, weltweit. In Speyer gründete er die Konzertreihe für zeitgenössische Musik „Kontrapunkte Speyer“, die er von 2008-2021 künstlerisch leitete. Als Pianist widmet sich Stephan Rahn mittlerweile mit seiner Frau, der Pianistin Christine Rahn, verstärkt der vierhändigen Klaviermusik.


Benjamin Buob – Orgelbau

Die Truhenorgel, die bei diesem Konzert zu Einsatz kommt, wurde von Orgelbaumeister Benjamin Buob (Emmendingen) gefertigt. Der selbständige Orgelbauer ist unter anderem seit 25 Jahren an der Betreuung der Orgeln im Freiburger Münster beteiligt.


Eduard Wagner – Leitung

Der Chorleiter und Tenor Eduard Wagner

Der Tenor Eduard Wagner studierte an der Musikhochschule Freiburg parallel zu seinem Kirchenmusikstudium bei Prof. Martin Schmeding (Masterabschluss 2014), Konzert- und Operngesang bei Prof. Torsten Meyer sowie Liedgestaltung bei Prof. Matthias Alteheld. Meisterkurse bei Margreet Honig, Brigitte Fassbaender, Kai Wessel und René Jacobs runden sein Gesangsstudium ab. Er ist ein gern gefragter Interpret für die klassischen und romantischen Oratorien und konzertierte als Tenorsolist im Freiburger Raum sowie in vielen weiteren Städten Deutschlands. Am Theater Freiburg war er in Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ als „Knusperhexe“ zu hören. Weitere Opernproduktionen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musiktheater der Musikhochschule Freiburg waren Mozarts „La finta giardiniera“ sowie Poulencs surreale Oper „Les mamelles de Tirésias“, in der er die Hauptrolle des „Le Mari“ sang. Als Chorsänger sammelte er sehr wertvolle Erfahrungen im WDR-Rundfunkchor bei der Produktion von Ravels „Daphnis et Chloe“ in der Philharmonie Luxemburg. Er ist seit 2017 Dirigent des Unichores der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, welcher besonders mit den „Chichester Psalms“ von Leonard Bernstein, der „Misa Tango“ von Martín Palmeri, Mozarts „Requiem“, Rossinis „Petite Messe Solennelle“ und der „Schöpfung“ von Joseph Haydn große Erfolge feierte. Seit April 2016 ist Eduard Wagner als Kirchenmusikdozent am Erzbischöflichen Priesterseminar Collegium Borromaeum sowie den weiteren pastoralen Ausbildungsstätten der Erzdiözese Freiburg für die kirchenmusikalische Ausbildung der Studierenden zuständig. Im Kollegium der Bezirkskantoren ist er für die vokalpädagogische Arbeit in der C-Ausbildung verantwortlich.


Das Orchester

Violine I Lisa Immer, Aliza Vicente, Regina Schröder, Hannah Wagner Violine II Julia Weeda (SF), Lotta Suvanto, Ayano Shigematsu, Felicitas Ohnmacht Viola Annette Schmidt, Jeanette Dorée Cello Guido Larisch Theorbe Giulio Falzone Violone Thomas Dombrowski Oboe Maike Buhrow, Gustav Friedrichson Fagott Julia Marion


Der Unichor Freiburg

Anlässlich des 550. Universitätsjubiläums 2007 entstand der Unichor Freiburg als Chor der Beschäftigten der Universität Freiburg. Er ist, auch wenn man das vermuten könnte, keine Institution der Uni, sondern wird nur von ihr gefördert. Seit 2019 ist der Chor ein eigenständiger Verein, der durch die Universität finanziell und mit der Bereitstellung von Räumen für Proben und Konzerte unterstützt wird. Der Großteil der etwa 150 Chormitglieder sind Studierende und Angehörige Freiburger Hochschulen. Zuletzt feierte der Unichor Freiburg mit Aufführungen von Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ in Freiburg und St. Blasien große Erfolge. Im kommenden Jahr erklingt in Kooperation mit dem Freiburger Blasorchester Carl Orffs „Carmina Burana“ im Konzerthaus Freiburg.

Wir sind für die Finanzierung unsere Konzerte auf Spenden angewiesen.

Quellen
Titelbild: pixabay.com. Cartoon: Agnes Avagyan (www.live-karikaturen.ch). Lebensläufe und Fotos der Musiker:innen wurden von den betreffenden Personen zur Verfügung gestellt. Weitere Bilder und Notensatz zu „Macht hoch die Tür“: gemeinfrei. Deutsche Übersetzung des Librettos zu Händels „Messias“: Programmheft der Kölner Philharmonie vom 14.4.2019 (bearbeitet).


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